Evangelische Kirche Bookholzberg

Andachten 2022

März – Mai

Predigt: Ist das Leben ein Marathon?

Das Leben ist kein Sprint, sondern ein Marathon“ So lautet ein Sprichwort. M.a.W.: Du musst einen langen Atem, du musst Geduld haben. Leicht gesagt! Wir sind heute gewohnt auf Dinge nicht lange warten zu müssen. Wir erwarten schnelle Lieferung! Mir wird das deutlich, wenn ich Paketdienste in Aktion sehe. Da denke ich oft: „Oh Mann, die haben echt Stress! Da muss Mann/Frau so viele Pakete austragen.“ Ja, wir sind heute gewohnt, sehr schnell alles geliefert zu bekommen. Bei Lieferschwierigkeiten – wie zurzeit wegen Corona – da werden wir schon ungeduldig und fragen: „Warum dauert das so lange?“ Schnelle Lieferung erwarten Menschen auch von Gott. Wenn Gott nicht das gewünschte liefert, dann sind manche schnell enttäuscht und meinen: „Sich an Gott wenden, bringt ja doch nix!“ Dagegen lautet der Bibelvers für den Monat März: „Hört nicht auf zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.“ Eph.6,18

Mit anderen Worten: „Beten ist auch kein Sprint, sondern ein Marathon!“ Da gilt es dranzubleiben. Nun mögen nicht wenige Leser/innen denken: „Ich habe mit dem Beten längst aufgehört oder ich wende mich nur an Gott wenn ich in wirklichen Schwierigkeiten stecke. Doch der Monatsspruch fordert uns auf den Gesprächsfaden mit Gott wieder aufzunehmen und regelmäßig zu beten. Warum? Nun: Weil sich beten immer lohnt. Beten lohnt sich, weil Gott oft tatsächlich in kurzer Zeit meine Gebete erfüllt. Leider vergessen wir das sehr schnell. Darüber hinaus lohnt es sich aber auch geduldig zu beten, weil sich Gott manchmal Zeit lässt. Oh, Gott trödelt nicht. Nur manchmal dauert es, bis wir und die Zeit reif für etwas ist. Deshalb: Weiter beten und darauf vertrauen, dass Gott der Meister des richtigen „Zeitpunkts“ ist. Tatsächlich gibt uns Gott aber manchmal auch nicht, um was wir bitten. Das heißt aber nicht, dass Gott uns nicht hört.Der Dichter und Lebemann Oscar Wilde hat mal gesagt: „Gott wird, wenn er uns strafen will, unsere Gebete erhören.“ Wilder meinte damit, dass wir um Unsinn bitten und die Erfüllung uns nicht guttut. Das stimmt so nicht. Ja, ich denke, viele Menschen bringen nur allzu verständliche Anliegen zu Gott, z.B. wenn wir für Kranke beten. Und doch werden nicht alle diese verständlichen Anliegen und Wünsche von Gott erfüllt. Warum nicht? Ich weiß es nicht, aber Gott weiß es! Ja ich bin überzeugt, es lohnt sich sogar zu beten, wenn wir nicht bekommen um was wir bitten. Denn Gebet ist keine Bestellung, ja Beten ist auch mehr als das Aufsagen einer Wunschliste. Gebet ist Kontaktaufnahme, ist Begegnung mit Gott.

Und allein dieser Kontakt, diese Begegnung mit Gott bereichert mein Leben. Das Gebet trägt also einen Wert in sich. Ich erinnere mich an die Zeit als ich als Student meine Eltern besuchte. Als ich dann nach ein paar Tagen wieder von ihnen weg fuhr, fand ich später in meinem Kofferraum Leckereien und eine Flasche Wein: Ich hatte nicht darum gebeten. Meine Eltern hatten es mir einfach so zugesteckt. Ähnlich ist es, wenn wir Kontakt mit Gott halten, dann steckt er uns etwas zu in unserem Herzen: Frieden, Liebe, Zufriedenheit. Wenn du regelmäßig betest, wirst du merken: Es verändert sich dadurch nicht nur etwas in deinem Leben; das Gebet verändert auch dich.

Das gilt gerade auch, wenn du nicht für dich, sondern für Mitmenschen betest. So formuliert Hermann von Bezzel sehr treffend: „Durch Gebete weicht der Staub von der Seele und die Last vom Gewissen und die Angst aus dem Herzen.“ Deshalb gilt: Wer betet empfängt immer und sehr oft auch, dass worum er/sie bittet. In diesem Sinne wünsche ich ihnen gewinnbringende Gespräche mit Gott.

Ihr P Hannes Koch